Donnerstag, 23. Januar 2025

Das muss er können

 


Es gibt so Sätze, bei denen steigt der Puls einfach unwillkürlich und man ballt die Faust in der Tasche, während man sich bemüht, ein möglichst neutrales Gesicht zu machen und die Beherrschung nicht zu verlieren, um danach noch ein klärendes Gespräch mit sachlichen Argumenten führen zu können. Im Alltag, beim Spazierengehen sind es die Klassiker „Der tut nix“ und natürlich „der will nur spielen“, auch immer wieder schön „der muss doch auch mal Hund sein dürfen“ und wenn es dann daneben geht, der Dauerbrenner „das hat er ja noch nie gemacht“.

Im Training und Hundesport trifft man auf inhaltlich andere Aussagen, aber auch hier gibt es den ein oder anderen Satz, der beim Gegenüber augenblicklich Hypertonie auslöst. Der Satz mag bei jedem nach persönlichem Geschmack variieren, beim absoluter Blutdruckpusher ist „Das muss er können!“

Ein Satz, der immer fällt, wenn etwas schief geht. Wenn der Hund ein Problem bei einem Kommando, einer exakten Ausführung oder der Konzentration hat. Irgendetwas funktioniert nicht so, wie der Hundeführer es gern hätte, man versucht es zwei-, dreimal, manch einer auch öfter und wenn man dann nachfragt, ob der Hund die Übung bereits beherrscht, ob er das Kommando überhaupt schon gelernt hat, dann kommt, sehr häufig in leicht patzigem Tonfall, die Aussage „Das muss er können!“.

Bohrt man dann etwas weiter nach, stellt sich schnell heraus, dass es für diese Erwartung keine Basis gibt. Man hat es nie aufgebaut, man hat es nie trainiert, aber weil man da auch nicht wirklich Lust dazu hat, soll der Hund das jetzt, da man es verlangt, auch können. Ist ja nichts dabei. Zumindest in der Vorstellung des Hundeführers.

Doch unsere Hunde sind keine Maschinen und sie können auch nicht Gedanken lesen. Gerade bei jungen Hunden, die Übungen zwar bereits gelernt, aber noch nicht generalisiert haben, trifft man sehr oft auf verständnislose Hundeführer. Was zuhause ohne jegliche Ablenkung funktioniert, muss doch auch auf einem komplett fremden Platz unter der Autobahnbrücke neben einem viel genutzten Radweg probieren. Der Hund hat im Garten zweimal fehlerfrei die selbstgebastelte Holzhürde überwunden, dann darf er bei der leuchtend gelben Planenhürde die leicht im Wind zuckt jetzt auch nicht guckig werden. Das muss er halt können!

Auch immer wieder schön, wenn diese Forderung von außen kommt. Man wird immer abweichende Schwerpunktsetzungen im Aufbau und bei der Ausbildung haben. Der fünf Monate alte Hund kann noch nicht frei sicher sitzen, ohne dass ihn jemand hält? Der zwölf Monate alte Hund kann noch nicht revieren? Es findet sich immer jemand, der sich dann berufen fühlt, einen darüber aufklären zu müssen, dass der Hund das doch (schon) können muss.

Nicht zu verwechseln mit dem Hinweis, dass ein Hund gewisse Dinge bereits können muss, bevor man andere Punkte und Schritte in der Ausbildung angehen kann. Ich spreche hier wirklich von dem Vorwurf, der einem ein schlechtes Gewissen machen, oder zeigen soll, wie viel besser und weiter doch der Kommentator doch in der Ausbildung seines Hundes ist.

Darum hier einfach mal der Appell: Spart euch diesen Satz, egal in welchem Zusammenhang. Wenn euer Hund die von ihm geforderte Aufgabe nicht erfüllt, sollte die Reaktion nicht sein „Das muss er können“, sondern schlicht die Frage „wieso kann er da gerade nicht?“ In 90% der Fälle wird die Antwort lauten: Weil er es nicht gelernt hat. Hier ist die Lösung dann relativ simpel: Im Training vernünftig aufbauen und festigen was man haben will. Wenn man meint, damit den Ausbildungsstand eines anderen Hundes kommentieren zu müssen, knickt es euch einfach. Hundesport lebt von Teamwork und Gemeinschaft. Wer es da nötig hat, sich das Ego zu polieren, in dem er einem Mitsportler unter die Nase reibt, dass dieser, seiner Meinung nach, in der Ausbildung hinterherhinkt, sollte sich erstmal auf die stille Treppe setzten und darüber nachdenken, ob er nicht etwas konstruktiveres zum gemeinsamen Training beizutragen hat.


 

Mittwoch, 26. Juni 2024

Von Sein und Haben

 


Es hat sich mittlerweile auch in die letzte Ecke der Hundesportwelt herumgesprochen, dass man ohne Team nicht weit kommt. Mir wurde schon früh eingetrichtert, dass zwei Amateure, die zusammenarbeiten am Ende mehr Erfolg haben werden, als der Profi, der es alleine schaffen will. Teamwork im Hundesport war deshalb etwas Normales für mich, mit allem, was dazu gehört. Doch nun zeichnet sich leider eine neue Entwicklung ab, die mich sorgenvoll stimmt. Es wird viel vom Team und vom Teamgedanken gesprochen und wie wichtig das doch sei. Ein Team haben, will plötzlich jeder, doch ein Team sein, wollen leider wenigere.

 Ja, es ist klasse, ein Team hinter sich zu haben und dabei ist es vollkommen egal, ob es zwei oder zwanzig Personen sind. Jemanden, der einen unterstützt, der einem zur Seite steht und hilft, egal ob bei großen, essenziellen Fragen der Ausbildung oder so profanen Dingen wie „roll das Bringholz bitte einen halben Meter nach links“. Man hat Unterstützung, man kann sich mehr auf sich selbst und seinen Hund konzentrieren und muss weniger auf die Umwelt achten. Mehr Augen sehen mehr, mehr Menschen bringen mehr Erfahrung und Feedback mit ins Training ein und erleichtern Aufgaben und das Drumherum beim Training.

Ein Team ist toll.

Doch Teams haben einen Haken. Will man ein Team haben und seinen Platz im Team auch behalten, muss man selbst eben auch Team sein. Es mag sein, dass sich der ein oder andere auf Grund seiner Erfolge und seines Rufs eine Zeitlang als Despot benehmen und eine Schar von Fans und Untertanen um sich scharen kann, aber zum Einen wird der durchschnittliche Sportler diesen Status nie erreichen und zum Anderen zeigt die Erfahrung, dass es auch bei den wenigen, die es können, auf Dauer nicht gut geht und mit der Zeit die Gefolgschaft schwindet.

Möchte man die Vorteile und Annehmlichkeiten eines Teams genießen, muss man selbst eben auch ein annehmbares Teammitglied sein und die anderen in ihrer Arbeit unterstützen und eben nicht nur, bei den großen, prestigeträchtigen Dingen, wie bei Auswärtsprüfungen dabei sein, sondern auch und sogar gerade bei den kleinen, alltäglichen Trainingssituation. Wer nur sich selbst und seinen Hund bedienen lässt, wird auf Dauer kein beliebtes Teammitglied sein.

Ein Team ist nicht persönlicher Diener eines einzelnen Sportlers und dazu da, ihm den Hintern hinterzutragen, hinter ihm aufzuräumen und dafür zu sorgen, dass nur diese Einzelperson ihre Ziele erreicht. Ein gutes Team funktioniert ganz kitschig nach dem Wahlspruch der Musketiere und zwar nur so. Versucht jemand sich vor seinen Verpflichtungen im Team zu drücken und nur die Vorteile abzuschöpfen, wird es über kurz oder lang zu Streit kommen.

Auch muss man sich im Team über gewisse Spielregeln im Klaren sein. Es gibt Grenzen beim Training, die nicht überschritten werden, wer diese Grenzen nicht einhalten will, ist im falschen Team und bringt den Rest in wenigstens einen Gewissenskonflikt und schlimmsten Fall in massive Schwierigkeiten. Wer sich mit seinem Team nicht einig werden kann, über Trainingsmethoden und Ziele, ist im falschen Team. Diese Stufe der Selbstreflexion muss man als erwachsener Mensch mitbringen, um sich eingestehen zu können, dass man vielleicht grade am falschen Platz ist. Allen anderen Teammitgliedern niedere Beweggründe, Dummheit oder sonstiges zu unterstellen, weil man selbst sich nicht mehr wohlfühlt, ist unfair.

Vielleicht findet man ein neues Team, das den eigenen Vorstellungen von Training und Sport mehr entspricht, vielleicht muss man sich selbst aber auch eingestehen, dass man selbst falsch lag. Wer jedoch erwartet, dass sich das Team immer und in allen Situationen uneingeschränkt nach der eigenen Meinung dreht, wird eine herbe Enttäuschung erfahren und wer nur auf der Suche nach Bestätigung und Ja-Sagern ist, wird mit einem echten Team generell nicht glücklich werden, weil das eigene Ego im Weg zur echten Kooperation steht.

Also sollte vielleicht einfach mal in den Spiegel sehen und sich die Frage stellen, ob er wirklich ein Teamplayer ist. Ob er selbst seine Teamkollegen so unterstützt, wie er selbst es sich von ihnen wünscht und es fordert. Denn Hundesport ist Teamsport und ohne Team geht es nicht.

 


 

Montag, 19. Februar 2024

Clarissa von Reinhardt - Welpen

 


Das 35. Buch

 

Eines der letzten Bücher aus dem animal learn Verlag in meinem Bücherregal und ganz ehrlich, ich bin froh darüber. Die Qualität der Werke aus diesem Verlag lässt einfach zu sehr zu wünschen übrig und leider macht da auch das Welpenbuch von Clarissa von Reinhardt da keine Ausnahme.

Nach einer kurzen Einleitung handelt die Autorin die Entwicklungsphasen des Welpen ab. Allerdings gibt es hier nur eine sehr grobe Übersicht, die schnell und oberflächlich abgehandelt wird, ohne dabei an irgendeiner Stelle in die Tiefe zu gehen.

Beim Thema Welpensuche und Auswahl merkt man dann wieder sehr schnell, welche Gesinnung die Autorin ist und schon in den ersten Absätzen startet wieder die moralische Hetze gegen Züchter. Dabei sprechen wir nicht von berechtigter Kritik an bestimmten Zuchtpraktiken, fragwürdigen Rassestandards oder anderen Punkten, die man an der organisierten Rassehundezucht zurecht kritisieren kann und über die man aufklären muss, es ist mal wieder der animal learn typische Rundumschlag gegen alles und jeden, der nicht ihr Weltbild passt. Vor allem wird Lesern, die nicht das erste Mal Berührung mit dem Thema Hundezucht haben, sehr schnell klar, dass sich die Autorin in diesem Buch eigentlich fast ausschließlich mit Vermehrern, illegalem Welpenhandel und Welpenfabriken beschäftigt und nicht mit seriösen Verbandszüchtern

An dieser Stelle bleiben die Tipps erneut sehr allgemein und mehr als oberflächlich gehalten. Mal wieder lernt man in erster Linie die animal learn Philosophie und die Ansichten der Autorin zum Thema Welpen und bekommt weniger einen hilfreichen Leitfaden an die Hand, der einem hilft, sich auf dem Weg zum passenden Welpen nicht zu verlaufen.

Selbstverständlich gibt es auch in diesem Buch ein Kapitel, über die richtige Ausstattung für den Welpen. Wie in allen Büchern der Autorin enthält dieser Teil überwiegend Eigenwerbung und wiederholte Hinweise darauf, wo man die animal learn Produkte kaufen kann. Traurigerweise wird die Auswahl des richtigen Geschirrs für den Welpen ausführlicher und umfassender abgehandelt, als die Frage, wie man den richtigen Welpen findet und aussucht. Auch ansonsten sind die Tipps zur Erstausstattung mit Vorsicht zu genießen. So wird bei der Frage nach Spielzeug vor den Gefahren von Gummi gewarnt, Tauspielzeug wird jedoch als absolut unbedenklich angepriesen.

Auch im weiteren Verlauf zeigt sich immer wieder, dass die Autorin mit dem Thema Zucht und seriöse Züchter einfach keinerlei Berührungspunkte hat und sich auch ganz offensichtlich nicht die Mühe gemacht hat, hier auch nur Zeit in Recherche der Basisfakten zu investieren. So gibt es z.B. den Tipp, dass man seinen Welpen nie (vollständig) bezahlen solle, wenn man die Papiere noch nicht erhalten hat. Solche Aussagen beweisen einfach immer wieder, dass man keinerlei Ahnung von den Abläufen und Bedingungen bei seriösen Züchtern hat.

Auch ist dieses Buch, wie viele andere vor ihm, gespickt mit diversen, teils hanebüchenen Vorwürfen an andere Trainer und Hundeschulen, die dazu gedacht sind, die Konkurrenz zu diskreditieren und den unerfahrenen Leser gezielt in die Arme der animal learn Trainerfranchisenetzwerks zu lotsen. Hier geht es nicht darum, dem Leser Wissen zu vermitteln und ihn zu unterstützen, eigenständig vernünftige Entscheidungen zu treffen. Es geht wieder ausschließlich darum, Ängste zu schüren, um sich und seinem Betrieb einen finanziellen Vorteil zu verschaffen und das ist ein Punkt, der an den animal learn Büchern, die von eigenen Autoren geschrieben wurden, einfach nur noch nervt.

Hinzukommen wie immer ein undurchdachtes Layout, das viel Platz verschwendet und das Buch unnötig aufbläht und aus irgendeinem unerfindlichen Grund, war die Autorin der Meinung, dass eine ganze Herde an Smilies einem Sachbuch eine persönliche Note verleihen würde, was beim Lesen aber nur lästig ist und höchst unprofessionell wirkt.

Was man dem Buch zu Gute halten muss und was ein wirklich richtiges und wichtiges Thema ist, ist dass in einem Abschnitt das medizinische Training angesprochen und beschrieben wird. Allerdings rettet dieser eine Pluspunkt das ansonsten wirklich gruselige Gesamtwerk nicht.