Mittwoch, 11. April 2018

Ein Zeichen setzen...



Ich habe lange gezögert, mich mit der Thematik Chico zu befassen, doch ich kann mich nicht auf meine Finger setzen.
Ein Hund hat zwei Menschen getötet und was dieser Tragödie folgt ist eine Farce sondergleichen. Schon wenige Stunden nach Bekanntwerden des Vorfalls machte in den „sozialen“ Netzwerken eine Petition die Runde, die zum Ziel hatte die Einschläferung des Hundes mit allen Mitteln zu verhindern. Tierschützer aller Couleur brüllten unisono „Es gibt keine Kampfhunde“, „Die Bestie ist der Mensch“ und ähnliche Parolen und mit ähnlicher Vehemenz schallte die Gegenfraktion mit der altbekannten „Kampfhunde sind Killer und müssen verboten werden“ Debatte zurück.
Die Tierschützer und Kampfschmuserfreunde halten dagegen, man wolle ein Zeichen setzen. Die Diskussion nimmt bisweilen groteske Formen an. Die Rede ist von Schuld, Rache, Wiedergutmachung und Sühne für erlittenes Leid, die Verschwörungstheorien werden immer wilder, bis hin zu einem Einbrecher, der einen Tierschädel als Waffe benutzt und die Besitzer damit getötet haben soll – ja ich habe die „Kommissar Rex“ Episode auch gesehen. Für alle die das noch nachholen müssen: Staffel 5 Episode 06 „Rex rächt sich“.
Und immer wieder die Anklage an die beiden Verstorbenen, sie seien selbst schuld bis hin zu der immer wieder gehörten Aussage, dass sie es nicht anders verdient hätten. Die Menge tobt, der alte Grundsatz „de mortibus nil nisi bene“ ist lange vergessen. Alles ist erlaubt, was der Absolution des Hundes auch nur im Geringsten dienen könnte. Die Profis sprießen aus dem Boden wie die Krokusse im Frühling und jeder weiß absolut, dass dieser Hund zu retten ist, dass er nur Liebe und ein besseres Zuhause braucht, dass er nur glücklich sein muss und dann nie wieder etwas passieren wird.
Niemand weiß, was genau passiert ist, wieso es passiert ist, aber die Internethelden wissen ganz genau, wie es in Zukunft zu verhindern ist.
Zerrissen ist man auch in der Einschätzung des involvierten Tierheimes. Einerseits will man eine Parade veranstalten und einen Freudentanz für das Tierheim aufführen, weil sie die Einstellung, der Hund solle nicht eingeschläfert werden teilen. Andererseits würde man dem Tierheim gern die Schuld ankreiden und die Misshandlungs- und Vernachlässigungstheorie weiterspinnen. Doch dummerweise hat das Tierheim bei früheren Kontrollen diese angeblich unhaltbaren Haltungsbedingungen nie angetroffen und keinen Grund gesehen, die Empfehlung ans Amt zu geben, auf Grund unzureichender Haltungsbedingungen einzuziehen. Ein Dilemma, das man gut überspielen kann. Stattdessen wetzt man das Messer gegen die Medien.
Natürlich ist die Berichterstattung der Boulevardpresse wieder gewohnt quotengeil. Von Titelseiten fletschen geifernde Pitbulls die Leserschaft an und RTL plant ein Sonderthema „Wie gefährlich sind Kampfhunde“ in der Abendtalkrunde. Aber die Unterstellung der Bericht über den Tod eines Säuglings, verursacht durch den Familienhund sei erfunden, um Öl ins Feuer der Kampfhundhetze zu gießen, ist der Gipfel des Verfolgungswahns.
Und dann gibt es plötzlich wieder einen Grund für die „Rettet Chico“ Fraktion zum Jubeln. Zwei Videos, zusammen keine 30 Sekunden lang, die den Geretteten bei seinem ersten Spaziergang zeigen. Ein Hund der vergangene Woche zwei Menschen getötet hat, wird an einer kaputten Moxonleine ohne Maulkorb durch das Tierheimtor vom eingezäunten Grundstück geführt und der Reportermeute präsentiert. Am Tor knurrt er kurz einen Reporter an, später verhält er sich aggressiv einem anderen Hund gegenüber, aber ansonsten war er ganz lieb und freut sich sicher über den Spaziergang, das kann man doch sehen.
Und man kann nicht nur etwas sehen, sondern auch etwas hören. Nämlich die schallende Ohrfeige, die die Verantwortlichen hinter dieser Aktion all jenen verabreicht haben, die ihre Hunde mit Leinen- und Maulkorbzwang verantwortungsbewusst sichern und führen. Dort draußen laufen Tag ein Tag aus hunderte Hundehalter herum, deren Hund außerhalb eines gesicherten Grundstückes immer Maulkorb trägt und immer an der Leine ist, weil das ein Gesetz oder ein Gutachter verfügt hat, sei es auf Grund der Rassezugehörigkeit ohne einen Vorfall oder auf Grund eines Vorfalls, der jedoch immer geringer gewesen sein wird, als der Fall Chico.
Wie bitte schön will man jemanden der sich an seine Auflagen hält und dem Bußgeld und Entzug des Hundes bei Zuwiderhandlung drohen, schlüssig erklären, dass ein Hund nach einem solchen Vorfall derart unzureichend gesichert herumlaufen darf?

Es gibt in Deutschland Gesetze gegen gefährliche Hunde, die gab es auch schon vor dem Fall Volkan, aber damals wie heute, interessiert niemanden die Einhaltung so wirklich. Nein, man tritt das Recht mit Füßen und hält auch noch mit der Handykamera drauf, damit man aus der Tierschutzfraktion Applaus dafür erhält und sich als tierlieb präsentieren kann. Man bekommt bei dem verantwortlichen Tierheim langsam den Eindruck, dass man nach der Devise „Jede Publicity ist gute Publicity“ lebt, denn schon wird ein Interview hinterhergeschoben, der Tod der Leute bedauert, aber auch gleich wieder von Gerechtigkeit für den Hund gesprochen. Zwar werden ein paar Punkte gerade gerückt z.B. worüber ein Tierheim in solchen Dingen entscheiden darf und worüber nicht, aber man holt sich seine Dosis Applaus aus der „Rettet Chico“ Ecke ab.
Der Hund der das Baby getötet hat, hat in der Zwischenzeit immer noch keinen Namen. Für ihn gibt es keine Petition und auch das Tierheim in dem er untergebracht ist, verzichtet danken auf Medienrummel, verweist auf die Sicherheit seiner Mitarbeiter und der Bedeutung des laufenden Betriebes und lässt aufdringliche Reporter vor der Tür stehen.

Die Farce um Chico geht derweil weiter. Von eingehender gesundheitlicher Untersuchung und von Wesenstest ist die Rede, es wird diskutiert, was mit dem Hund in Zukunft passieren soll, wo er untergebracht wird, welche Möglichkeiten es geben könnte.
Die Frage, wer zur Verantwortung gezogen wird, wenn der Hund weiterlebt und durch eine Unachtsamkeit wieder jemanden verletzt, darf man nicht stellen. Wie lebenswert das Leben eines Hundes in dauerhafter Verwahrung sein wird, darf man nicht fragen. Wie man sich eine Betreuung dieses Hundes vorstellt, darf man nicht fragen.
Es verdirbt die Wunschvorstellung der Rettungsfraktion, in deren Fantasie sitzt der Hund nach ein bisschen Liebe, etwas Clickertraining und viel Verständnis bald bei einem Kampfschmuserfan auf der Couch oder Futter auf süßen Fotos mit der Tochter Kekse im grünen Gras und ist glücklich und so harmlos wie ein Schmetterling, denn Liebe ist ja schließlich alles was zählt.
Die Realität dahinter, wird verdrängt. Ein Hund hat zwei Menschen getötet und das Kernthema der Diskussion ist, wie man den Hund glücklich machen kann.
Obwohl einen immer mehr das Gefühl beschleicht, dass es gar nicht um den Hund geht. Es geht um Medienpräsenz und darum seine eigene Weltanschauung zu verteidigen. Anders kann man es sich nicht erklären, dass hier mit dermaßener Vehemenz vorgegangen wird. Denn neben der Kampfschmuser/Killerhund Diskussion tauchen plötzlich auch noch andere aus der Versenkung auf. Zig Organisationen nutzen die Möglichkeit auf ihr (angebliches) Können und ihre Vermittlungserfolge hinzuweisen, Tierrechtsorganisationen hängen eine Anti Speziesismus Debatte an und sprechen von Hinrichtung und Todesstrafe, von irgendwo taucht ein fast vergessener Experte auf und schreit sein altes Credo „Schutzhundesport macht Hunde zu Bestien“ in den Raum und man steht am Rande der Diskussion und kommt aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus.

Man wolle ein Zeichen setzen, hieß es zu Beginn und ja, das hat man geschafft.

Ein Zeichen gegen den gesunden Menschenverstand.
Ein Zeichen gegen das Mitgefühl gegenüber den Opfern dieser Tragödie.
Ein Zeichen gegen den kynologischen Sachverstand
Ein Zeichen gegen die journalistische Seriosität.
Ein Zeichen gegen den verantwortungsbewussten Tierschutz.
Ein Zeichen gegen das korrekte Handeln von Behörden.

Die Beteiligten dieser Farce werden lange im Gedächtnis bleiben. In einem guten Licht wird keiner stehen. Vergessen hingegen werden die Opfer und hinterbliebenen sein, sind sie es doch jetzt schon so gut wie und es bleibt zu hoffen, dass in dem ganzen Kompetenzgerangelt und dem ganzen Geheische um das öffentliche Interesse nicht auch jene vergessen werden, die in Zukunft mit dem Hund umgehen müssen und deren Sicherheit.

Sonntag, 1. April 2018

Klaus Glöckner - Der gewaltfreie Weg zum Verbellen


Unser 20. Buch.
 
Ein sehr dünnes Büchlein – keine 100 Seiten dick – aus dem BoD Verlag. Viele Leser machen um die BoD Bücher immer noch einen großen Bogen, deshalb will ich hier eine kleine Lanze für sie brechen. Ja, viele Leute verlegen dort Müll mit miserabler Qualität bei Inhalt und Layout, doch dazwischen finden sich immer wieder wahre Schätzchen, uninteressant für den kommerziellen Markt, aber äußerst wertvoll für interessierte Leser. Das Büchlein von Glöckner gehört in keine dieser beiden Extremkategorien, aber dazu komme ich noch.
Der erfahrene Diensthundeführer beginnt das Heft mit einem kleinen Exkurs zur Klärung der notwendigen Begrifflichkeiten. So werden Erziehung und Ausbildung klar voneinander abgegrenzt, es wird kurz auf die Grundsätze des Lernens eingegangen und die Begriffe „Konsequenz“ und „Zwang“ aufgeschlüsselt, wobei der Autor relativ ausführlich auf die Abstufungen und Einteilungen von „Zwang“ eingeht.
Der Autor weist immer wieder darauf hin, dass der Aufbau des Verbellens nach dieser Methode für alle Hunde geeignet ist, egal ob es sich dabei um Welpen oder schon mit anderen Methoden vorgearbeitete, ältere Tiere handelt und ebenso unbedeutend ist es im Grundaufbau, ob es sich um einen späteren Dienst-, Sport- oder Rettungshund handelt.
Es wird von Anfang an darauf hingewiesen, dass der Aufbau ohne Zwangsmittel stattfindet, die Hunde von Anfang an frei ohne Sicherungsleine oder ähnliche Hilfsmittel arbeiten und Fehlverhalten im Aufbau nicht bestraft wird.
Im Anschluss wird beschrieben, wie das Verbellen aufgebaut wird. In kleinen Schritten wird erklärt, wir der Hund zuerst am eigenen Hundeführer und später mit einem Helfer das Verbellen lernt. Es wird großer Wert darauf gelegt, dass der Hund selbst den Weg zur Belohnung findet, sprich, dass Fehlverhalten nicht korrigiert wird, sondern der Hund herausfindet, dass nur das richtige Verhalten zur Belohnung führt. Zudem wird zu Beginn sehr kleinschrittig belohnt und erklärt, dass jeder weitere Schritt, jede Veränderung zB eine neue Hilfsperson stets von Anfang an mit den Basisübungen wieder beginnen muss und nicht mit einer fortgeschrittenen Lektion einsteigen darf.
Nach dem Basisaufbau werden die weiteren Ausbildungsabschnitte auf die einzelnen Sparten spezialisiert, so wird das Verbellen bei Rettungshunden bei Zielpersonen in sitzender oder liegender Position erklärt, die Aufbauarbeit mit Maulkorb für Diensthunde und auch auf die weitere Arbeit mit Dienst- und Sporthunden hinsichtlich der Beißarbeit eingegangen. So besteht der Autor darauf, dass die Verbellarbeit und Kampfhandlungen mit dem Helfer stets vollkommen getrennt sein müssen und das Verbellen niemals mit dem Schutzarm beim Sporthund oder mit einer Kampfhandlung am Vollschutzanzug beim Diensthund belohnt werden darf, sondern die Bestätigung stets durch ein Spielzeug erfolgen muss.
 
Die Arbeit ist in ihrem Aufbau und ihrer Ausführung gut beschrieben und zeigt eine mögliche Variante des aufbauen des Verbellens. Wirklich neu und bahnbrechend ist sie dieser Tage nicht und ich glaube auch nicht, dass sie es vor 17 Jahren bei erscheinen des Buches noch war.
Nichts desto trotz ist es eine interessante Herangehensweise, mit der sich Sportler durchaus auseinandersetzen sollten, wenn vielleicht auch nur, um diese Alternative einfach mal durchgedacht zu haben.
Inhaltlich also durchaus nicht uninteressant ist das Büchlein von der Machart leider eine mittlere Katastrophe. Der Textsatz ist ungeschickt und verschwendet viel Platz und die Bilderstrecken, die zur Verdeutlichung der Übungen eingefügt sind, sind von extrem schlechter Qualität. Auch die Infoboxen, die wichtige Aspekte hervorheben sollen, passen nicht wirklich zum Layout und die graue Hintergrundfarbe ist fleckig und wirkt billig.
Hier wäre es wünschenswert gewesen, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen und durch den BoD Verlag ein vernünftiges Lektorat und ein etwas professionelleres Layout vornehmen zu lassen.

Als nächstes auf der Leseliste:
Inge Hansen – „Vererbung beim Hund“

Dienstag, 27. Februar 2018

Das sollte doch Spaß sein...




Hundesport ist Hobby, Hundesport ist Spaß, oder sollte es zumindest sein. Doch gerade in der Unterordnung beschleicht einen immer öfter der Eindruck, dass bei den Teams auf dem Platz weder Hund noch Mensch wirklich Spaß an der ganzen Sache haben.

Witzigerweise scheinen gerade jene, die das Ganze ohne Prüfungambition oder sonstigen großen Ehrgeiz betreiben und "just for fun" auf dem Platz stehen, den wenigsten Spaß zu haben. Schnell findet man Erklärungen dafür, warum der Hund eher lustlos neben einem herschlurft und manchmal die Arbeit ganz einstellt. Die Rasse ist halt so, es ist an diesem Tag ungewöhnlich heiß/kalt, der Hund war schon den ganzen Vormittag im Garten und ist deshalb erschöpft... das Repertoire ist schier unerschöpflich, um zu erklären, wieso der vierbeinige Sportpartner gerade unpässlich ist.

Manche Hundeführer sind auch Meister darin, die Unlust ihres Hundes zu kaschieren. Da kommt bei jedem vierten Schritt ein neues Kommando, die Leine wird so straff gehalten, dass der Hund nicht aus der Position fallen kann, es wird mit Futter und Spielzeug gewedelt und wenn alles nicht hilft, dann kommt das gute alte Klatschen auf den linken Oberschenkel.
Fragt man die Leute, was sie da machen, sprechen sie von motivieren und belohnen. Ob sie es wirklich nicht bemerken, dass sie sich selbst betrügen und ihren Hund durch die Unterordnung locken oder ob sie es nur nicht zugeben wollen, kann ich nicht beurteilen. Die Unterscheidung zwischen Locken und Belohnen fällt vielen schwer und natürlich ist es oftmals hart, sich einzugestehen, dass der eigene Hund eben doch nicht so gut ausgebildet ist, wie man es gerne hätte. Mit dem Lockmittel vor der Hundenase bekommt man ihn doch "schön" durch die Unterordnung. Man blamiert sich nicht mit misslungenen Übungen und macht einen guten Eindruck bei den Zusehern.
Dass das alles nur Lug, Trug und schönes Blendwerk ist und der selbe Hund keine Gerade im Fuß schafft, wenn nicht alle drei Schritte mit der Beute vor seiner Nase wedelt, wird dabei ausgeblendet.

Auf die Frage, wieso man den Hund durch die Unterordnung lockt und ihn nicht einfach vernünftig ausbildet, wird man meist pikiert angeguckt. Man habe sich ja etwas einfallen lassen müssen, denn der Hund wäre ja nicht so triebig, wie die Hunde der Sportler, der hätte nicht so viel Spaß an solchen Sachen, aber man würde ja schon das Beste daraus machen, weil man ja selber Spaß daran hätte.

Schaut man sich das Ganze dann mal an, sucht man den Spaß oft vergebens - oder vielleicht interpretieren diese Hundebesitzer "Spaß" auch nur anders. Aber es wird dadurch sehr schnell deutlich, wieso Hund keinen Spaß an der Arbeit hat und ich will an dieser Stelle ein großes Geheimnis verraten - es liegt fast nie daran, dass der Hund sich nicht so für den Sport eignet.
Ein Blick zu den Sportlern lässt einen vor allem eines sehen, Emotionen in der Ausbildung. Man freut sich über den Hund und mit dem Hund bei einer guten Übung. die Bestätigung erfolgt mit Elan und Freude. der Hund wird nicht nur gelobt, sondern verbal gefeiert. Immer wieder ist er sekundenlang der beste und tollste Hund der Welt bevor es weiter in der Übung geht.
Die Fun Sportler haben offenbar deutlich größere Hemmungen, sich mit einem Jubelschrei über eine gute Fußposition oder ein schnelles Herankommen beim Abrufen zu freuen. Oftmals geht das alles sehr ruhig und gesittet ab. Hie und da wird mal ein leises Lob gemurmelt, dem Hund der Kopf getätschelt oder ihm auch mal der Ball in die Schnauze gestopft.
Emotionen kommen dabei selten auf. Fragt man nach, wieso man da so teilnahmslos bleibt, ist die Antwort immer die Selbe: der Hund hat doch seinen Ball bekommen, was braucht es denn da noch?

Und langsam dämmert es auch dem Außenstehenden, wieso der Hund keinen Spaß an der ganzen Unterordnung hat. Wieso sollte sich der Vierbeiner darauf freuen, wenn sich offensichtlich nicht einmal der Hundeführer über die erbrachte Leistung freuen kann oder will. Der Mensch schlurft genau so emotionslos über den Platz, wie sein Vierbeiner und wundert sich über den kleinen Spiegel der irgendwo an seinem linken Knie mitläuft und in seiner Unterordnung die selbe Gleichgültigkeit zeigt.

Nachvollziehbar ist diese Haltung vielleicht bei Leuten, für die die Unterordnung nur Mittel zum Zweck auf dem Weg zu einer schnellen Begleithundeprüfung als Zugang zu anderen Sportarten ist. doch wer wirklich dauerhaft in diesem Sport bleiben will, sollte sich doch einmal ernsthaft fragen, ob es wirklich Spaß macht.
Denn das sollte es doch, dafür machen wir doch alle Hundesport, die einen mit mehr die anderen mit weniger Ehrgeiz, aber doch alle, weil es uns Spaß macht. Und dieser Spaß sollte nicht nur ein Lippenbekenntnis sein. Spaß muss man sehen, Spaß muss man hören und Spaß muss man fühlen. Und wer Spaß hat und Spaß vermittelt, wird sich sehr wundern, wie schnell und nachhaltig sich auch die Einstellung und Ausstrahlung des Hundes im Sport verändert.
Mit Spaß an der Arbeit und sauberem technischen Aufbau werden sich auch bei den angeblichen "ach der ist dafür nicht so geeignet" Rassen ansprechende Ergebnisse zeigen. Man muss nur den Unterschied zwischen Lockmittel und Belohnung lernen und sich selbst erlauben, Freude an der gemeinsamen Arbeit zu haben.

 Unterordnung muss wieder Spaß machen und wenn sie es nicht mehr macht, sollte man sich einfach einmal ehrlich die Frage stellen, ob der Sportplatz wirklich der richtige Ort ist, um seine Zeit mit dem Hund zu verbringen. Denn seien wir mal ehrlich, das Leben ist zu kurz - unseres und das unseres Hundes erst recht - um es frustriert oder gelangweilt auf dem Hundeplatz zu verbringen.

Frank Deveraux hatte mit Hundesport nichts am Hut (glaube ich), doch seine Worte passen hier, wie in vielen anderen Lebenslagen, perfekt zu dieser Problematik in der Unterordnung: "Mach es richtig und mit einem Lächeln. Oder lass es sein..."


Sonntag, 7. Januar 2018

Die nächste Runde im Karussell




Vor fast drei Jahren fing hier alles an. Den Startschuss zu Barks’n Books gab damals die Veröffentlichung eines eher wenig bekannten Hundetrainers, dessen Publikation im Eigenverlag damals darauf abzielte seinem Verfasser durch unreflektiertes IPO Bashing ein wenig Ruhm zu verschaffen. Ein Unterfangen das scheiterte, sowohl bei der Ersterscheinung des Buches, wie auch bei der „neuen verbesserten“ Auflage.

Und dennoch versucht erneut jemand auf Kosten des IPO Sports seinen Namen ins Rampenlicht zu schubsen. Ein Herr von dem außerhalb seiner eigenen Hundeschule noch niemand etwas gehört hat, ruft zum großen Test auf, um der ganzen Welt zu beweisen, wie gefährlich Hunde sind, die im Schutzdienst geführt werden. Hierfür sucht er in den sozialen Medien Freiwillige, die sich mit ihren Profihunden seiner Untersuchung stellen und im Anschluss auch gleich ein Seminar bei ihm – selbstverständlich gegen Bezahlung – absolvieren können, um zu lernen, wie man die Hunde, mit denen sie schon seit Jahren problemlos zusammenleben, wieder resozialisieren und unter Kontrolle bringen kann.
Als wäre diese Ausgangsüberlegung nicht schon absurd genug, kamen folgende Anforderungen an den Hund:
·         Seit mindestens vier Jahren professionell im Sport
·         International erfolgreich und schon viele Preise gewonnen
·         Kein Diensthund
·         Kein Hobbyhund
·         Darf ausschließlich im Schutzdienst gearbeitet sein
Jedem, der auch nur den Hauch einer Ahnung von dieser Sportart hat, dürfte klar sein, wieso dieser betreffende Herr keine Probanden gefunden hat und vermutlich auch nie welche finden wird. Er selbst tobt aktuell immer noch durch die sozialen Medien und pöbelt gegen die feigen Sportler, die sich ihm und seinem großen Wissen nicht stellen wollen.

Wieso ich mich mit dieser dummen Werbekampagne überhaupt auseinandersetze und ihr einen Artikel widme? Weil mich die Vehemenz und der Fanatismus dahinter erschreckt und weil es kein Einzelfall ist.
Ablehnung und Unwissenheit finden sich an vielen Orten, doch mich erschreckt die unglaubliche Aggression und der Hass, der einem von den IPO Gegner entgegenschlägt und die Frage, woher das kommen mag, lässt mich nicht los.

In keinem anderen Bereich wird man derart unqualifiziert angefeindet wie im IPO Sport. Auf die Ringsportarten will ich bei der Thematik nicht weiter eingehen, weil die meisten Hetzer davon noch nie in ihrem Leben gehört haben.
Es sind immer die selben Vorwürfe. Die Hunde werden scharfgemacht, die Hunde sind gefährlich, die Hunde werden außerhalb der Trainingszeit im Zwinger vergessen, die Hunde werden misshandelt… Mit Argumenten und Beispielen aus der Realität kommt man nicht dagegen an. Auf einem Hundeplatz live bei einer echten IPO Ausbildung dabei, war von den Leuten meist noch nie jemand. Denn man weiß ja, wie das abläuft, hat einmal ein Video gesehen, von anderen gehört wie schlimm das ist und Opa hat auch erzählt, wie man das schon immer gemacht hat. Realität scheint in dieser Diskussion nicht zu interessieren, es regieren Hass, Angst und Vorurteile.

Doch woran liegt es?
Liegt es daran, dass der IPO Hund, selbst wenn er privat der netteste, friedlichste Hund sein kann, die Leute zu sehr daran erinnert, dass das Tier zu ihren Füßen kein lebendig gewordenes Plüschtier ist, sondern immer noch Zähne hat? Ist es die Angst vor der Erkenntnis, dass auch der hübsche kuschlige Hund, ausgesucht nach den neusten Modeströmungen und eingekleidet mit hübschen bunten Halsbändern und verschiedensten Mänteln für alle Wetterlagen immer noch ein Raubtier ist?

Gerne kommt in dieser Diskussion auch das Thema des Zwangs auf. Der Sportler – und hier fast immer der IPO Sportler – instrumentalisiert seinen Hund, zwingt ihn zum Sport für das eigene Ego und den eigenen Erfolg, ohne Rücksicht auf den Willen des Hundes. Der Hund hat keine Wahl.
Die Wahl des Hundes… ein Thema, das eigentlich beinahe einen eigenen Eintrag wert wäre. Denn auch wenn wir es uns immer gerne einreden, keiner unserer Hunde hat wirklich die Wahl und die Möglichkeit, sein Leben selbst zu bestimmen. Er muss so leben, wie wir es für richtig halten und das nicht nur im Sport. Der Hund kann sich nicht aussuchen, ob er bei uns leben möchte, ob er Einzelhund sein oder sein zu Zuhause mit mehreren Artgenossen teilen soll, Futter, Auslauf, Beschäftigung, Zuneigung. Erziehung, Körperpflege, medizinische Versorgung und oftmals auch die Entscheidung wann er stirbt…
Bei nichts von alle dem hat der Hund eine Wahl. Er kann einzig und allein darauf hoffen, dass sein Besitzer möglichst passend erkennt, wo seine Bedürfnisse liegen. Wieso also wirft man den anderen vor, in ihrer Wahl egoistisch und rücksichtslos zu sein? Vielleicht weil es den eigenen Horizont übersteigt, dass Hunde auch jenseits des eigenen Tellerrands glücklich sein können und dass nicht nur der eigene Weg und die eigenen Entscheidungen richtig sind.

Gerne wird auch mit der Gewalt in der Ausbildung argumentiert. Fragt man dann, wo und wann sie diese erlebt haben, wird abgewinkt. Man selbst habe noch nie einen Fuß auf einen Trainingsplatz gesehen, aber man wisse ja, wie dort gearbeitet wird.
Ich werde es an dieser Stelle nicht schönreden. Die Methoden haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt, was nicht bedeuten soll, dass die ganze IPO Welt zu einer rosa Wattebauschwiese geworden ist. Aber das ist die ganze Hundewelt nicht. Der Sport ist nur ein Spiegel der allgemeinen Lage in der Welt der Hundehalter. Und so findet man im IPO, wie auf der Hundewiese und auch all den anderen Sportarten einen Querschnitt durch alle Schichten der Hundebesitzer, vom Wattebauscher, über den Chaoten, den Perfektionisten und den Schlamper bis hin zum Hardliner alles und jeden. Wieder eine Wahrheit, die man nicht hören will.

Egal wie oft man die Frage stellt, wie oft man die Diskussion auch durchsteht, man hat das Gefühl in einem Karussell zu sitzen. Selbst wenn man das Ende der Fahrt erreicht hat, beginnt schon in Kürze die nächste Runde mit den immergleichen Vorwürfen, der ständigen unterschwelligen bis offenen Aggression und dem gleichen Ausgang, wie in den Runden davor.
Und so wird wohl auch in absehbarer Zeit ein neuer namenloser Hundetrainer auf seine 5 Sekunden Ruhm lauern und versuchen mit einer Hetzschrift oder einem unsinnigen Wesenstest den IPO Sport instrumentalisieren, um seinen eigenen Namen in ein paar Diskussionen lesen zu können und schon beim ersten Aufruf ganz klar den Beweis erbringen, dass er weder von dieser Art Sport noch von der Ausbildung auch nur die geringste Ahnung hat.